Chordofonia
Presse
Das Ensemble Chordofonia mit seiner Dirigentin Annika Hinsche.
Dienstag, 21.06.2022, 19:15 Uhr / Westfälische Zeitung.
Westfälische Zeitung
Ensemble Chordofonia konzertiert auf Haus Marck Eine exquisite Besonderheit Tecklenburg - Musikalisch ausdrucksstark und technisch überaus präzise begeistert das Ensemble Chordofonia seine Zuhörer. Von Sunhild Salaschek Dienstag, 21.06.2022, 19:15 Uhr
Das Ensemble Chordofonia mit seiner Dirigentin Annika Hinsche erntete langanhaltenden Applaus. Welcher Konzertliebhaber denkt wohl beim Stichwort
„Kammerorchester" spontan an Mandolinen und Gitarren?
Genau diese Instrumente spielte aber das Ensemble
Chordofonia am Sonntag auf Haus Marck zum Abschluss
des Burgen- und Schlössertages Münsterland 2022. Dem
Euregio Musikfestival war es wieder gelungen, mit dem
erst 2019 gegründeten Orchester eine exquisite
Besonderheit zu bieten.
Chordofonia sieht sich selbst zwar in jahrhundertealte,
wechselnde Traditionen der Zupfmusik eingebettet, will aber nach eigenem Bekunden
„Visionen gestalten" und dabei „neue Pfade auf künstlerischer und pädagogischer Ebene
beschreiten." Die musikalisch ausdrucksstarken und technisch überaus präzisen
Interpretationen der international gefragten Musiker rissen das mit der Zupfmusik kaum
vertraute Publikum erstaunlich schnell mit.
Unter der erfahrenen Leitung von Annika Hinsche, selbst Mandolinenspielerin und auf Zupfinstrumente spezialisierte Dirigentin, spielte das neunköpfige Orchester ein beeindruckendes Programm, welches das Publikum im besten Sinne des Wortes pädagogisch an die Fremdartigkeit der Musik heranführte. Chordofonia eröffnete das Konzert mit drei Sätzen aus „Le Tombeau de Couperin" von Maurice Ravel, das – in der traditionellen Orchesterfassung – wegen seiner melodischen und tänzerischen Musik bis heute bekannt und beliebt ist. Somit waren die Hörer sofort offen für das ungewohnte Klangspektrum. Zusätzlich sorgte eine knappe, aber sehr informative Einführung in die gespielten Werke für besseres Verständnis. Da war der Weg zum italienischen Komponisten Raffaele Calace (1863-1934) nicht mehr weit, der als Sohn eines Instrumentenbauers nicht nur selbst Mandolinenspieler war, sondern auch zur Verbesserung der neapolitanischen Mandoline beitrug. Calace sorgte seinerseits für einen Boom der Mandolinenmusik in Japan. So vorbereitet war es für die faszinierten Hörer fast schon selbstverständlich, bei der Komposition „Novemberfest" des hoch geschätzten japanischen Komponisten Yasuo Kuwahara (1946-2003) sowohl die Herbststürme als auch die Wucht einer sich aus diesen Tumulten erneuernden Lebenskraft herauszuhören. Bei Werken von Lars Wüller (geb. 1975), Balz Trümpy (geb. 1946) und Koray Berat Sari (geb. 1990) erschien nach der Pause die ungewohnte Stilrichtung schon viel vertrauter. Mühelos identifizierte man Stimmungswechsel, genoss neue rhythmische Elemente wie unterschiedliches Klopfen oder die von zwei Gast-Solisten dargebotenen weiteren Klangfarben.
Mit lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum für ein Konzert der besonderen Art. Zum großen Erfolg dürfte neben den Spielern die Dirigentin mit ihrer differenzierten Körpersprache überdurchschnittlich zu beigetragen haben. Noch beim Herausgehen hörte man anerkennend: „Und es reichte ihr ein leichtes Zucken mit der Augenbraue".
Foto K. H.
Montag, 12. Juni 2023 Wuppertaler Kultur von Daniel Diekhans
Westdeutsche Zeitung Publikum feiert Bachmanns „Zikaden" Ingeborg Bachmanns „Zikaden" als Live-Aufführung – für diese Idee muss man Gunda Gottschalk dankbar sein.
Die Wuppertaler Musikerin (Partita Radicale)
bewies am Freitag die Bühnentauglichkeit des Hörspiels, das 1955 erstmals gesendet wurde. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Aussteiger auf einer Mittelmeerinsel. Mit der Mischung aus prägnanten Szenen und feiner Ironie können „Die Zikaden" heute noch neben der Lyrik und Prosa der österreichischen Schriftstellerin bestehen. Für die Premiere im Coworking-Space „Codeks" an der Moritzstraße hatte Gottschalk eine große Besetzung auf die Beine gestellt. Regisseur Jakob Fedler führte Darsteller, die zwischen Rezitation und Gesang wechselten, Instrumentalsolisten und das zehnköpfige Zupforchester Chordofonia zusammen.
150 Gäste feierten die Beteiligten mit stürmischem Applaus. Begeistert erntete auch die zweite Aufführung am Sonntag im Mahler-Saal der Stadthalle.
Schon bei der Ursendung des Hörspiels verbanden sich Text und Musik, damals kam die Vertonung von Bachmanns engem Freund Hans Werner Henze. Eine neue, zeitgemäße Form finden die „Zikaden" durch die Musik von Gunda Gottschalk und Carl Ludwig Hübsch.
Auf der Bühne erwachte der „wilde, frenetische Gesang" der Zikaden zum Leben. Die komponierten Vorgaben ließen den Solisten Freiräume zum Improvisieren. Gottschalks Violine brachte das Sirren und Zirpen der Zikaden ebenso zum Klingen wie Live-Elektroniker Florian Zwißler.
Das Chordofonia-Ensemble (Leitung: Annika
Hinsche) gab dem Insektengesang eine unheimliche Note, indem die Spieler das Tremolo der
Mandolinen durch Dissonanzen
und geräuschhafte Einschübe
verfremdeten.
Selbst wenn Davide Campisi - der Sizilianer ist
ein Virtuose am Tamburin und
anderen Rahmentrommeln -
mediterranes Flair einbrachte,
fuhr Tubaspieler Hübsch mit
unbändigen Soli dazwischen.
Überzeugend füllten die Musiker so die Rolle aus, die Bachmanns Hörspiel mit Bezug auf
den Mythos in Platons Dialog
„Phaidros"
den Zikaden zuweist: Singend stören sie die Mittagsruhe der Protagonisten als
fortwährende Erinnerung daran, dass niemand der Wirklichkeit entfliehen kann. Dabei sind
die Motive der Flucht verständlich. Jochen Bauer etwa trat als
Vater auf, der seinen Sohn im
Krieg verlor, Miriam Vanneste
spielte eine Frau, die auf der Insel
dem Altern entgehen will.
Ihr Gegenspieler war Inselbewohner Antonio.
In dieser Rolle gab Luise Kinner (Schauspiel Wuppertal) den Dialogen jeweils die entscheidende Wendung. Wenn die anderen auf Erfüllung ihrer Wunschträume bestanden, sich mit Unterstützung der Musiker in dramatischen Gesang hineinsteigerten, hielt Kinner ihnen ihr „Nein!" entgegen. Erzähler Bernhard Glose machte denn auch am Ende die Inselidylle als reine Fiktion kenntlich.
Auch die Autorin selbst hatte ihre Konsequenz aus den „Zikaden" gezogen: Dem gemeinsamen Leben mit Hans Werner Henze auf der Insel Ischia erteilte sie 1957 eine Absage.
Foto: Axel Engels
Von Axel Engels,
Musikjournalist, Fotograf, Musiker.
Mit einem Konzert von außergewöhnlichem Format feierte das Kammerorchester Chordofoni am Samstagnachmittag, den 16.11.2024, sein fünfjähriges Bestehen in der Jakobikirche Rheine. Das Ensemble, das sich der Zupfmusik auf höchstem Niveau verschrieben hat, bot dem Publikum nicht nur eine beeindruckende Demonstration seines Könnens, sondern auch einen musikalischen Querschnitt durch Tradition und Moderne.
Die künstlerische Leitung von Annika Hinsche verlieh dem Konzert eine klare Struktur und besondere emotionale Tiefe. Der Auftakt des Abends gehörte den impressionistischen Klängen von Rudolf Leber , dessen Sätze aus der „Suite op. 143“ das Publikum behutsam in die Welt der Zupfmusik einführten. In diesen Stücken kamen die filigrane Technik und das subtile Zusammenspiel des Ensembles besonders zur Geltung. Eine der herausragenden Qualitäten von Chordofonia ist zweifellos die Fähigkeit, auch leise Töne mit größter Präzision und Ausdruckskraft in den Raum zu tragen. Im Anschluss führte das Ensemble mit Joaquín Turinas „La Oración del Torero“ eine packende musikalische Erzählung vor. Das dramatische Gebet des Toreros, geprägt von spanischem Temperament und melodiöser Wehmut, ließ die Zuhörenden spüren, wie facettenreich Zupfinstrumente Geschichten erzählen können. Die klangliche Balance zwischen den einzelnen Instrumentengruppen verlieh der Komposition eine Klangfarbenpracht.
Ein erster Höhepunkt des Abends war die Aufführung von Lars Wüllers preisgekröntem Werk „One Small Step“. Mit cineastischen Anklängen und überraschenden Klangeffekten entfaltete das Stück eine regelrechte Klanglandschaft, die von futuristischen Weiten bis hin zu intimen Momenten reichte. Lars Wüller erklärte in einer kurzen Einführung seinen Ansatz: „Die Musik soll Bilder entstehen lassen.“ Chordofonia brachte diese Intention auf faszinierende Weise zur Geltung. Der zweite Teil des Konzerts stand ganz im Zeichen von Wüllers Komposition „Zauber von Oz“. Die konzertante Aufführung dieser musikalischen Interpretation des berühmten Kinderbuchs entführte das Publikum in eine zauberhafte Welt. Jeder Satz – von der Ouvertüre bis zum Finale – zeichnete sich durch klare Charakterzeichnungen aus: von Dorothys kindlicher Unschuld bis hin zur schelmischen Lebendigkeit des Vogelscheuchen-Themas. Insbesondere das Finale, das die Themen aller Figuren kunstvoll verwebte, riss das Publikum mit seiner dynamischen Kraft mit.
Die musikalische Leitung durch Annika Hinsche vereinte technische Perfektion und künstlerische Ausdruckskraft. Chordofonia hat mit diesem Konzert nicht nur eindrucksvoll bewiesen, dass Zupfmusik eine moderne und vielseitige Kunstform ist, sondern auch, dass es möglich ist, Tradition und Innovation in einen harmonischen Dialog zu bringen. Axel Engels
Cityring Konzerte ist hier:
Friedensplatz.
1. September 2024
Dortmund
Ein unvergessliches Familienkonzert:
Der Zauberer von Oz.
Somewhere over the Rainbow – da liegt die magische Welt von Oz. Und dahin entführte uns das Familienkonzert am Sonntag Morgen. In einer szenischen Adaption der bekannten Geschichte von Lyman Frank Baum, meisterhaft inszeniert von Lars Wüller, erlebten die Zuschauer*innen die aufregenden Abenteuer von Dorothy und ihren treuen Gefährten hautnah.
Das Kammerorchester Chordofonia erweckte die Geschichte musikalisch zum Leben. Jede Note und jede Szene ließ die Fantasie der kleinen und großen Zuhörer*innen gleichermaßen aufblühen. Die Bühne verwandelte sich in das bunte Zauberland, in dem Dorothy, der Blechmann, der Löwe und die Vogelscheuche ihren Mut beweisen und das Unmögliche möglich machen.
Das war mehr als nur Musik – es war eine Reise in eine Welt voller Wunder, begleitet von einer brillanten musikalischen Darbietung und fesselndem Schauspiel. Sowas bleibt einfach in Erinnerung!
Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung Ausgabe vom 12.03.2024 / Seite 18
„Zauberer von Oz"
fasziniert nicht nur Kids
Das szenische Familienkonzert frei nach dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum mit Schauspielern vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund und dem Zupforchester „Chordofonia" reißt Jung und Alt vom Hocker.
Edwin Rekate
Gütersloh
Als das mit internationalen Profis besetzte Zupforchester „Chordofonia" unter dem Dirigat von Annika Hinsche den populären Evergreen „Somewhere over the Rainbow" anstimmte, hatten die älteren Semester Tränen in den Augen und das jüngere Publikum tuschelte erwartungsvoll: „Guck mal, der Zauberer kommt!"
Auch 125 Jahre nach Erscheinen des Romans von Lyman Frank Baum und 85 Jahre nach der Premiere der Verfilmung mit Judy Garland weiß die Geschichte Jung und Alt zu erfreuen. Auch in der aktuellen Produktion, die wesentlich von Musikern und Darstellern aus Gütersloh und Darstellern aus Dortmund gestaltet wurde.
Es scheint allerdings mit einer Panne loszugehen: Denn kaum dass das Theaterstück im nahezu ausverkauften Theatersaal begann - gab es ein Problem. „Wir haben eine nicht ganz so gute Nachricht. Wir spielen eigentlich zu dritt, jetzt sind wir nur zu zweit. Wir haben bis auf die letzte Sekunde gewartet, aber die Kollegin ist nicht da!" Da machte im Publikum ein Mädchen auf sich aufmerksam. „Möchten Sie etwas sagen", fragte das Moderatoren-Duo mit Bianca Lammert und Andreas Ksienzyk. „Ich kenne das Stück aus der Schule", versicherte Ida.
Prompt bekam sie die Rolle der zwölfjährigen Dorothy und wurde mit einem drahtlosen Mikrofon verdrahtet. Nun, da das Schauspielteam vom Kinder- und Jugendtheater Dortmund wieder komplett war, nahm die fantastische Geschichte ihren Lauf.
Im Traum wird Dorothy (alias Ida Lammert) durch einen Tornado aus dem sandigen Bundesstaat Kansas in das magische Land Oz geschleudert. Um wieder nach Hause zu kommen, rät ihr die liebenswerte Nordhexe, den Zauberer von Oz aufzusuchen.
Kinder fieberten bei der Vorstellung eine Stunde lang mit Dorothy
Da das polternd gelandete Haus die böse Osthexe platt-gemacht hat, die bis dahin über das Volk der Munchkins herrschte, kann Dorothy ihre Sneaker gegen die magischen, rot glänzenden Hexen-Ballerinas tauschen, die ihr den Weg in die grüne Smaragdstadt weisen werden. Damit begibt sich Dorothy auf ihren abenteuerlichen Marsch und trifft zuerst auf die Vogelscheuche (Andreas Ksienzyk), die statt Stroh gern ein Gehirn hätte, die verrostete Blechfrau (Bianka Lammert), die unbedingt ein richtiges Herz haben möchte, und den ängstlichen Löwen, der sich mehr Mut wünscht. Mit ihren drei Begleitern muss Dorothy jetzt viele spannende Abenteuer bestehen, um den Zauberer zu erreichen.
Der legendäre Zauberer von Oz (im pinkfarbenen Glitterdress mit gleichfarbigen Zylinderhut vom Regisseur Peter Kirschke verkörpert), der zudem sämtliche Soundeffekte und die computergenerierten Bühnenbilder generiert, ist jedoch gar kein echter Magier. Seine Tricks werden von Dorothy und ihren Begleitern entlarvt, als sie ihm frech den Stecker aus dem Verlängerungskabel ziehen. Nachdem nun ihre Aufgabe erfolgreich gelöst wurde, erhalten alle das, was sie sich gewünscht haben.
„Der Zauberer war das Beste", erklären die sechsjährige Emma und die vierjährige Greta aus der dritten Reihe unisono. Die beiden Geschwister sowie sämtliche Kinder im Saal fieberten bei der 60-Minuten-Show nonstop mit. Alle Hälse drehten sich interessiert um, wenn auf der Vorbühne oder in den beiden Treppenaufgängen gespielt wurde.
Als Dankeschön für den finalen Applaus-Tornado spielte „Chordofonia" noch zwei Zugaben. Mandolinen, Mandoloncellos, Liuto cantabiles, Gitarren und ein Kontrabass brausten mit der Polka „Suite Mexicana" durchs Theater und entfachten ein tolles Mitklatschkonzert, das mit dem erfolgreichen Reklame-Jingle „Palladio" ausklang.
